Erfahrungsberichte aus E-Mails von AVWS- Betroffenen

Das Forschungsteam bekommt nun häufiger E-Mails von erwachsenen AVWS-Betroffenen, in denen sie uns aus ihrer AVWS-Biografie berichten. Die  Schilderungen der Höreindrücke, der Wunsch zur Klärung und die (lange) Suche nach dem Grund ihrer „Andershörigkeit“, ihre Umgangsweisen und Vermeidungsstrategien sind sehr eindrücklich.

Ich möchte euch Auszüge einiger – mir besonders einprägsamer- Äußerungen vorstellen:

„Inzwischen habe ich gelernt, als „fortgeschrittener Verwechslungsspezialist“ das beste daraus zu machen und dies manchmal auch als Fähigkeit zu nutzen. Auf viele Wortspiele, Ähnlichkeiten und lustige Verwechslungen, Falschmeldungen oder skurrile Ideen kommen andere gar nicht. Dieser kreative Umgang mit Sprache hilft mir auch sehr, meine Wortfindungsstörung zu kompensieren.“

„Außerdem merke ich, dass ich zum Kompensieren von Sprachverständnis und anderem einfach viel mehr Energie aufwenden muss und oft viel länger brauche als andere. Deshalb bin ich auch schneller ermüdet als andere. Bis ich verstehe, was gerade gesagt wurde, ist das Gespräch oft schon ganz woanders. Ich bin quasi der verkörperte Treppenwitz. Auch meine schulischen Leistungen litten darunter, dass ich einfach viel zu langsam war und z.B. oft bei Tests viel mehr gewusst hätte, aber nicht genug Zeit hatte. Kompensation braucht einfach Zeit & Energie und stößt an Ihre Grenzen, wenn mehrere Schwierigkeiten aufeinandertreffen.“

„Mitschreiben geht gar nicht. Diktate waren immer die Hölle, und später entschied ich mich, lieber durch gezeigtes Interesse beim Vortrag zu glänzen als durch Mitschriften. Telephonate vermeide ich wenn möglich. Kurze Terminabsprachen gehen noch, oder wenn jemand sein Herz ausschüttet, und es eher um Stimmungen als um Details geht. Auch bei Musik oder Filmen ist mir der Text zwangsläufig meist nicht so wichtig, wie die Stimmlage, Tonfärbung, Gestik usw.“

Die sind Zitate aus E-Mails von Betroffenen, die bei uns Rat suchen, sich für das Projekt interessieren und auf der Suche nach regionalen Experten/Ansprechpartnern sind. Ich bin mir sicher, dass sich einige selbst-AVWS-Betroffene in diesen Äußerungen wiedererkennen. Wir im AVWS-Forschungsteam arbeiten mit Hochdruck daran, die Lebenswelt der jugendlichen und erwachsenen AVWS-Betroffenen,  deren Herausforderungen und Bewältigungsstrategien zu beschreiben. Diese wird das Projekt ab 2018 veröffentlichen. Der Austausch zu Besonderheiten/Erfahrungen mit (nicht-)vorhandenen Netzwerken von AVWS-Experten wird über das Betroffenen-Portal angeboten. Hierbei gilt der Fokus auf der Selbsthilfe: Erfahrungen von Betroffenen für Betroffene.

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About Lissy

arbeitet im AVWS-Projekt ZASS | postet Interessantes aus Gesprächen mit Betroffenen

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